Tauchreiseberichte Norwegen
Tauchreiseberichte Norwegen
Oktober 2004 , Norwegenexpedition ( Kristiansand-Bodö-Narvik)
Zur Abwechslung das Fazit mal vorweg : Die vergangenen 2 Wochen werden in meine persönlichen Annalen eingehen als Spitzentaucherlebnis. Die Leser dieses Reports , welche a) noch nicht in Norwegen waren und b) im Speziellen dort ebensowenig Unterwasser waren , werden manche folgende Beschreibung sicher übertrieben finden - jedoch Kenner werden mich bestätigen. 12 verschiedene Wracks , davon auch einige deutsche Zerstörer der Narvik-Klasse ( Z19/Z21/Z22), Tauchen im Saltstraumen , Betauchen der Dronning Maud sowie Betauchen einer gesunkenen Ju 52 im Hattwigsee stehen nicht unbedingt auf Jedermanns Wunschzettel , jedoch wenn schon während der Tour unverbindliche Pläne für Tauchaktivitäten im Raum Kirkenes/Spitzbergen oder Lofoten diskutiert wurden , spricht dies für die Qualität der "Narvikexpedition 2004" . Schon über ein Jahr lang geplant , startete die Tour am frühen Morgen des 27.09. mit dem Verladen unserer bei einem speziellen Tauchgang kurz vorher getesteten Kaltwasserausrüstung samt Essen/Trinken/Schlafsack...eben alles was man in gut 2 Wochen bei geplantem Schmuddelwetter gebrauchen kann. Via Rostock per Fähre ( wir müssten bald Rabatt bei Scandlines bekommen)nach Gedser und weiter nach Köge .Hier sollten sich die beiden deutschen Teilnehmer mit der eigendlich durchführenden dänischen Fraktion der Tauchvereins Dykkerklubben Aqua in Köge treffen was auch so geschah. Besuch im neuerbauten Vereinsgebäude , dann Ausräumen und Beladen der für die Tour vorgesehenen Fahrzeuge ( Toyota-Transporter und Saab Limusine).Erstaunlich, welche Sachen unbedingt mitgenommen werden mussten , einschliesslich einer Riesenkiste mit Knorrsuppen und auch etwa 150 Knoppers !! Hauptlast waren natürlich die 5 Tauchausrüstungen samt je 2 Flaschen , Werkzeugkisten und was weiss ich noch alles... Wettertechnisch bereiteten wir uns auf das Schlimmste vor : horizontale Graupelschauer und Dauerfrost zumindest im Norden . Am frühen Nachmittag zog der Treck Richtung Hirtshals um die Nachtfähre über den Skagerrak nach Kristiansand zu erreichen. Geplantes Ablegen des Rieseneimers war 01:00 Uhr, was sich aber wegen Schlechtwetters auf 03:00 Uhr verzögerte. Ein nicht sonderlich seefestes Expeditionsmitglied begann sich Sorgen zu machen. Die Bewegung des Schiffes war auszuhalten , abgewettert wurde in einem öffendlichen Ruheraum mit Schlafsack in Kinobestuhlung - eben alles nur vom Feinsten... .Ankunft in Kristiansand knapp 08:00 Uhr und mittels GPS/PDA Kombination wurde die Basis " One Ocean " gesucht. Gar nicht so einfach , weil bereits im weitläufigen Stadtgebiet von Kristiansand etliche Tunnel zu durchfahren sind und so die Satelliten oft nicht zur Verfügung stehen . Etwas ausserhalb , einer zerklüfteten Küste folgend liegt ein kleiner Yachthafen , gut bestückt auch mit Tankstelle , gleichzeitig Supermarkt , Bootswerkstatt und eben der Basis.Typisch rote Gebäude, die Basis großzügig samt mietbarem Mehrzimmerappartement.Hier liessen wir uns für 3 Tage nieder , Betauchen der "Seattle" war hier vorangiges Ziel.Der Basischef Carlo hielt ein schmuckes Boot für etwa 8 Taucher , komfortabel mit Leiter , Flaschenhalterungen und kleiner Küche.Die Seattle liegt keine 20 Minuten Fahrt weiter weg und ist durch kleine Kanister-Bojen markiert. Wir stiegen hier zweimal an der 20 Meter Markierung ab und erkundeten das Riesenschiff bis runter auf etwa 55 Meter. Viele Dorsche stehen hier am Wrack.Trotz Sonnenschein oben herrschte ab 25 Meter komplette Dunkelheit , so dass es ohne genaue Ortskenntnis länger brauchte den Brückenbereich zu kreuzen. Deko gabs hier richtig !Gelegendliche " unheimliche " Geräusche stammen von den nahe vorbeilaufenden Fähren . Weitere Tauchgänge an dieser zerklüfteten Küste führten zur " Oya" , einem etwa 20m Fischer , zur Steilwand am "Picknicksteg" sowie ein Nachttauchgang quer durch den Yachthafen. Speziell diesen kann ich wärmstens empfehlen - Beute ist hier sicher !Viel Fisch überall , Krabben und Krebse .Sicht stetig gut bis sehr gut. Genauere Informationen über die Wracks bitte zB. lokalen Internetseiten entnehmen. Nach 5 Tauchgängen verliessen wir am 30.09. Kristiansand um etwa 1500 Kilometer via Drammen , Lillehammer , Trondheim nach Bodö zu fahren. Traumhafte Gegend , Schneegipfel und Tunnels ohne Zahl , die Strecke war mir von meiner letzten Tour 1995 ab Trondheim wieder bekannt. Gegen 22:00 Uhr passierten wir den Polarkreis , einige Augenblicke später knallte gut sichtbar ein Meteor, wie eine grellorange Perlenschnur auseinanderbrechend in einen dunklen Berg.Wir fuhren ununterbrochen mit Fahrerwechsel und waren trotz gelegendlicher Fähren-Wartezeiten an 01.10. gegen 10:00 Uhr in Bodö vor der Tauchbasis " Polardykk " angekommen .Dortiges Einchecken , unkompliziert ohne Papierkram , und Einrücken ins extra angemietete Appartement etwas weiter in der Stadt .Abgesprochen waren Tauchgänge an der " Rabat " sowie im Saltstraumen .Die Rabat liegt unweit des Hafenausganges und ist mit dem kleinen Boot in 10 Minuten erreicht. Anrödeln direkt an der Bootsanlegestelle. Bei Wiedereinstieg ins Boot nach dem Tauchgang sind die Lacher sicher - über eine kleine Rampe "rutscht " man hoch ins Boot .An der Rabat kurvt man so etwa in 40 Metern herum , die Laderäume und Brücke sind sehr gut zu betauchen , viel Fisch - darunter auch richtig massige Exemplare des Seewolfs ( Catfisch) , welche mit ihren 4 herausstehenden Stiftzähnen recht finster aussehen .Viel Qualle unterwegs - meterlange Tentakel überall. Die Rabat wurde zweimal betaucht , bis wir am 02.10. einen angeblich Top 10 of the World Spot betauchen wollten : Saltstraumen. Getaucht werden darf ( und kann ) ausschliesslich nach Tidentabelle . Durch einen schmalen Seitenarm des Saltfjord werden alle 6 Stunden etwa 400 Mio Tonnen Wasser gepresst , die Strudel sind bei der Anfahrt von der Brücke sehr gut zu sehen. Die höllische Wasserströmgeschwindigkeit hat seit der Eiszeit einen Kanal von über 400 Meter Tiefe gesägt - an einigen Stellen ist der Grund bereits 5 Meter von Land über 200 Meter tief !!! Also Steilwandtauchen . Unsere Totwasserzeit war etwa 17:10 bis 17:40 Uhr , wir gingen also kurz nach Fünf über Bord . Wir hatten unsere Flossen noch nicht im Wasser , da zerrte es uns bereits Richtung Brücke . Schnelles Abtauchen auf 15 Meter und die Suche nach Breschen in der Wand verschaffte etwas Ruhe , aber kurz darauf drückte es erst von Oben ( ! ) dann von Unten - eine optimale Tiefe war nicht zu ermitteln. Auch bei " Totwasser " scheint hier gute Strömung zu gehen .Ein dicker Catfisch lag unter einer Felsnase und als sich meine Augen eingestellt hatten bemerkte ich die Schatzkammer um uns herum : Angelzeug in Massen ! Hier muss ein Vermögen liegen , wir sammelten unsere Taschen und Netze voller Pilger,Blei , Vorfächer , Drillinge und was weiss ich. Sicht stark schwankend zwischen 10 und 20 Meter , felsabgewandt ausschliesslich schwarz.Massenhaft Fisch . Die Gruppe versuchte orthodoxes Buddytauchen , jedoch bei diesen Naturgewalten war Jedermann nach 15 Minuten allein im Strom. Unser Boot sammelte uns wieder ein , nun weiss ich warum hier Signalbojen empfohlen werden ! Tauchen hier geht gut wenn man weiss was einen erwartet , unbedingt grosse Tüte mitnehmen ! ABER : Top 10 ist das nicht - zumindest nicht zu unserer Zeit mit den beschriebenen Bedingungen. Unsere Zeit in Bodoe war abgelaufen , die obligatorischen Aufkleber und Logstempel ergattert - leider keine T-Shirts über Grösse S !Freundliche Basis , grosszügige Unterkunft und nicht zuletzt unerwartet gutes Wetter ( 10 °C , Sonne,mittlerer Wind ) sorgten für angenehmes Tauchen und Aufenthalt . Polardykk hat nach eigenen Angaben noch weitere Erkundungen vor , die Wrackliste wird also sicher länger werden. Am Morgen des 03.10. nahmen wir eine weitere Etappe in Angriff die dieser Tour den Namen gab : Narvik . Gerade einmal 300 Kilometer entfernt sollte dort die Expedition so richtig losgehen. Nach Durchfahren einer traumhaften Gegend kamen wir am frühen Nachmittag nach kurzer Suche im Hafen an unserem Tauchschiff " Galten " an. Der auf dem Bild zu erkennende Schwede Henrik ist Bootseigner und liegt mit seinem Eimer seit Jahren in Nordnorwegen. Die Galten ist ein ehemaliges Ausbildungsboot für Rettungstaucher der Marine - grosse Umbauten waren also nicht fällig. Wir bezogen unsere 2-Mann Kabinen , entrödelten im extra Equipmentraum an Bord und verluden unsere Vorräte in die Küche. Stadtbesichtigung , Einkauf ( die Rumvorräte schmolzen wie Schnee im Sommerwind ) und pausenloses Ablachen über die Versuche unseres "Franzosen" ( Morten lebt in Paris ), die hier in überraschender Anzahl auftretenden chicken Mädchen anzubaggern. Ausfüllen der obligatorischen Urlaubskarten für Daheimgebliebene und in der einfallenden Dunkelheit konnten wir ein grossartiges Schauspiel geniessen : Nordlicht zog wie ein vielfach gefalteter Schleier direkt über uns hinweg . Wir nahmen es als gutes Omen . Die nächsten Tage liefen wie ein Uhrwerk ab : 07:00 Uhr aufstehen , Frühstück (selber machen ), 09:00 Uhr Ausfahrt zum Wrack , Mittag(selber machen) , 15:00 Uhr 2. Tauchgang , etwa 17:00 Uhr wieder im Hafen. Wir betauchten :D/S Romanby , M/S Strässa , Zerstörer Z21 , Zerstörer Z 22 , Zerstörer Z19 , S/S Martha Heinrich Fisser , M/S Neuenfels , teilweise mehrmals . Allesamt unter Waffeneinwirkung April/Mai 1940 im Zuge der Operation " Weserübung " gesunken . Die Seeschlacht verlief seinerzeit etwa 2 Monate mit insgesamt etwa 60 Schiffsuntergängen im Seebereich um Narvik . Ich will die Gelegenheit nutzen , allen beteiligten Gefallenen unser Gedenken auszusprechen. Das Betauchen dieser historischen Stätte ist ein bleibendes Erlebnis - Uniformen , eindeutig menschliche Knochen , Schriftstücke , Ausrüstung , die Scheunentor grossen Torpedotreffer , massige Panzerung , halb durchgerissene Schiffskörper , dunkle Maschinenräume , wie Papier aufgebogene Schotts , teilweise scheinbar intakte Installation sind durch das stets kalte Wasser recht gut konserviert .Oft erkennt man noch die Messingbeschläge einzelner Türen ! Hinweis : Das Penetrieren der Wracks ist laut Tauchgenehmigung der Hafenleitung nicht gestattet ! Wir verstiessen dagegen - waren auch entsprechend ausgerüstet !Es ist allergrösste Vorsicht in den Wracks geboten !!!! Trotz durchschnittlicher Tauchtiefen etwa um 25 Meter ist Dekotauchen bei 9 °C nicht immer spassig . Tauchen im Bereich um Narvik ist nicht unbedingt den reinen Rotmeer-Tauchern zu empfehlen : Nur gelegendlich Fisch grösser 30 cm - Lyr ,Seehase und Catfisch , gelegendlich Dorsch aber massenhaft Krabben , Spinnen , Krebse . Sicht etwa 15 Meter horizontal , bei Sonnenschein ab 25 Meter dunkel. Kaum Strömung zu unserer Zeit. Jedoch waren wir noch nicht fertig ! Eine letzte Etappe über Land stand noch aus : Betauchen der S/S Dronning Maud und einer gesunkenen Ju 52 .Also machten wir uns im mittlerweile hereingebrochenen Winter mit Schlauchboot und 3 Autos etwa 80 Kilometer Richtung Nord zum Gratangenfjord auf , einschliesslich Festfahren auf sumpfigen Pfaden und in den Dreck fallen ;-( . Bei Schneetreiben und etwa 3 °C betauchten wir das Wrack der Dronning Maud , hier auf dem Bild mittig unser Schlauchboot an der Boje. Exzellente Sicht von übereinstimmend geschätzt 30 Meter bei Wassertemperatur von 7°C machten den Tauchplatz zum Erlebnis . Stark , wie zuerst der Bugmast des Schiffes dem Taucher entgegenwächst und dann das Ausmass des Dampfers erkennbar wird. Hier gehts ohne Deko nicht ab - das gesamte Schiff liegt bei 30 Meter und tiefer !Meinen Infos zufolge wurde das Schiff unter Land bombardiert , auf Wasser geschleppt zum Löschen und ist da gesunken.Hinweis auf geplanten Liegeplatz liefert die komplett ausgezogene Ankerkette steuerbord . Soweit weg vom Schuss geht nun kaum noch jemand tauchen - wir setzten jedoch noch einen drauf : Unterstellen des Bootes an einer Tankstelle und dann der 825 folgen zum Hattvigsee . Dieser Süsswassersee ( gut für Klamottenspülung ) war um 1940 beliebter Start/Landeplatz für Nachschubflüge der deutschen Luftwaffe mittels JU 52/3m auf Eis . Dabei müssen irgendwie mehrere der Maschinen untergegangen sein : eine haben wir betaucht , zwei weitere noch Vermisste werden ab Ende Oktober 2004 mittels Sidescan gesucht. Sumpfige , verschneite Zufahrt über Privatgelände , rödeln und den Gebirgsfluss stromabwärts treibend etwa 400 Meter bis zum glasklaren See treiben lassen . Das Flusswasser hatte tatsächlich 2 °C , im See dann 7 °C ! Exzellente Sicht und etwa 100 Meter rechts in einer haushohen Sandbank steckt der Flieger. Kanzel , Fahrwerk , Tragflächen und Laderaum sind gut zu betauchen , auch innerhalb ! Zwei der drei Motoren fehlen , das Heckleitwerk steckt im Sandhang - ansonsten sieht der Flieger erstaunlich gut erhalten aus . Die damalige Wellaluminiumbplankung , alle Hydraulik/ Pneumatik sieht aus wie ein Ersatzteilspender - kaum Rost . Nur die Zylinderköpfe des Sternmotors an der linken Tragfläche waren verrostet !Sehr gut zu sehen die Starthilfsraketen unter den Tragflächen , die einzelnen Hebel der Trimmung waren noch gängig !! Stark verrostete Metallfässer im Laderaum dienten angeblich als Auftriebshilfe bei einem Bergungsversuch . Nach nunmehr 20 Tauchgängen die norwegische Atlantikküste entlang ging die Expedition ihrer letzten Etappe entgegen : Heimreise über 2100 Kilometer .Also am letzen Tauchtag abends gestempelt und geloggt , alle Bier- und Rumvorräte entsorgt und auch ansonsten alle Vorbereitungen für die Abreise getroffen . Wetter war winterlich . Die Abraumhalden der Erzgewinnung bestaunt und immer weiter Richtung Ost zur Ostseeküste.Insgesamt dauerte die Rücktour über 2100 Km Dauerfahrt ( ausser tanken und pinkeln) ziemlich genau 24 Stunden - wir langten etwa 10:00 Uhr wieder via Helsingborg/Helsingör in Köge an. Umladen der "deutschen " Ausrüstung und sputen zur 13:00 Uhr Fähre ab Gedser , welche wir natürlich prompt verpassten !Die Dauer der nächsten 3 Wartestunden wurde uns durch ein echtes Schauspiel verkürzt : Die Besatzung eines etwa 8m langen deutschen Kahnes namens " Kokolores " hatte , durch merkwürdige Umstände den Mast verloren , mit den Hafenbehörden Stress . Angeblich war eine enorme Rettungskette alarmiert worden. Eine wachsende Menge Zuschauer verfolgte das Schauspiel - wir sahen die Jungs bei unserem Ablegen 15:00Uhr verdrossen zwischen den Dünen umherstapfen. Ankunft in Stavenhagen etwa 18:30 Uhr , Entladen... . Ehe ich mich versah , hatte meine Frau mich , vor einem Wiedersehenskuss , in die Wanne verfrachtet :-( . Tolle Tour - kann ich nur empfehlen , entsprechende Vorbereitung und Ausrüstung vorausgesetzt. Nicht gerade billig , etwa 8000 NOK plus etwa 1300 € für Null Komfort und selbst bekochen ist anzulegen. Ich denke , dass der Dykkerklubben Aqua in 2006 wieder eine Norwegen-Expedition macht , diesmal : Lofoten . Nun bereiten wir uns erstmal gemütlich auf die Expedition Scapa Flow 2005 ( August ) vor - dickere Schiffe werde ich wohl nie mehr zu sehen bekommen. Entsprechender Bericht dann ... ;-) Nachtrag 15.12.04 : eMail von Yngve aus Schweden - er hat mein Webbanner in der "Herrmann Künne " gefunden und meinte , dies sei ein ungewöhnlicher Ort gewesen ...